Geistlicher Impuls – Monat Mai

Wir stehen am Beginn des Monats Mai, der in der katholischen Tradition dem Gedenken der Gottesmutter Maria gewidmet ist. Dieser Monat ist vielerorts durch den Brauch der Maiandachten gekennzeichnet. Überall dort, wo dieser Brauch gepflegt wird, feiern gläubige Katholiken in diesem Monat sonntagsnachmittags oder unter der Woche zu den Abendstunden die Andachten und singen zur Ehre der Gottesmutter Lieder, die zu Herzen gehen.

Doch neben den Maiandachten wird auch dem Rosenkranzgebet in diesem Marienmonat in unserer betenden Kirche eine besondere Bedeutung beigemessen und es nimmt darin einen besonderen Platz ein. Mit dem Rosenkranzgebet verbinde ich zweierlei. Zum einen geht es heute bei diesem Gebet, wie in der Genese seiner Entstehung, um die Meditation über die Heilstaten Gottes in der Menschheitsgeschichte. Manch einer mag beim Hören des Wortes „Meditation“ vielleicht zusammenzucken. Aus meiner Sicht ist Meditieren etwas für jede und jeden. Denn im Grunde genommen bedeutet „Meditieren“: sich ohne Hast und Eile mit etwas beschäftigen oder über etwas nachdenken, damit das eigene Innere zur Ruhe kommt und der Mensch sich angestoßen fühlt, mit dieser Wirklichkeit zu leben.

Auf diese Art meditieren Menschen in der Bibel. Sie schauen auf das, was Jahwe in der Vergangenheit für sein Volk getan hat. Sie denken immer wieder ohne Hast und Eile über die Taten Gottes nach. Sie lassen diese Geschehnisse sozusagen in ihr Herz eindringen, sie formulieren Gebete, sie beschäftigen sich so damit, dass sie gewissermaßen in diesen Ereignissen leben.

Ähnliches versuchen wir im Rosenkranzgebet. In den vielen „Gegrüßet seist du, Maria…“ vereinen wir uns mit Maria und schauen gemeinsam auf das, was Gott in Jesus Christus zu unserem Heil getan hat. In den einzelnen Gesätzen nehmen wir bestimmte Ereignisse in den Blick, in denen Gottes Liebe sich in der Geschichte unserer Erlösung zeigt. Zum anderen wird Maria um Hilfe angerufen und angefleht. Der heilige Johannes Paul II., ein großer Marienverehrer, war davon überzeugt, dass es kein Problem in dieser Welt gibt, das sich nicht mit dem Rosenkranzgebet lösen lässt.

Daher möchte ich angesichts des Krieges in der Ukraine und in den anderen Erdteilen sowie der Krise in unserer Kirche allen Mitgliedern der Pfarrei St. Vicelin das Rosenkranzgebet ans Herz legen und empfehlen, es in diesen erwähnten Anliegen so oft wie möglich zu beten. Denn so solidarisieren wir uns mit Menschen, die unsere Gebete benötigen, aber auch mit jenen, denen wir gerne helfen würden, aber es einfach nicht können aus welchen Gründen auch immer.

Pfarrer Pater Jacques Kamba SVD